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Künstliche Knochen aus dem Computer Wie leicht darf ein Leichtbauteil sein? Wie groß dürfen die Poren werden, ohne dass die Stabilität leidet? Ein neues Simulationsprogramm kann die innere Struktur eines Bauteils berechnen. |
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Das Vorbild
stammt aus der Natur: Knochen sind Meisterwerke des Leichtbaus, die höchsten
Beanspruchungen standhalten. Unter der harten äußeren Schicht haben sie eine
poröse Struktur. Die Löcher dieses »Schwamms« sind im Knochen nicht überall
gleich groß: Flächig belastete Teile wie der Oberschenkelkopf weisen größere
Poren auf als solche, die nur Kräfte in einer Richtung aushalten müssen, wie
etwa der schlanke Mittelbereich des Oberschenkelknochens.
»Inzwischen können wir am Computer simulieren, welche innere Struktur ein
Bauteil haben muss, damit es für eine bestimmte Anwendung optimal ausgelegt
ist«, berichtet Andreas Burblies vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik
und Angewandte Materialforschung IFAM. Dazu wird das Werkstück – natürlich nur
rechnerisch – in sehr kleine Würfelchen zerlegt. Für jedes einzelne dieser
Elemente kann dann beispielsweise die erforderliche Festigkeit errechnet werden,
wenn die äußeren Kräfte bekannt sind, die auf das Bauteil wirken. Die Bremer
Forscher wenden dieses Verfahren der »Finiten Elemente« jetzt auch auf die
porösen Materialien des Leichtbaus an. Zum Beispiel auf die Metallschäume, die
im Automobilbau eingesetzt werden. Sie können damit herausfinden, wo die Poren
klein sein müssen und wo größere Löcher ausreichen.
Bisher war es allerdings nicht möglich, solche Bauteile gezielt zu fertigen.
Denn Metallschäume werden so ähnlich hergestellt wie Kuchen: aus Metallpulver
und Treibmittel, das beim »Backen« – also beim Schmelzen des Metalls – ein Gas
freisetzt. Dichteunterschiede lassen sich dabei nicht erzeugen. Die Bremer
Forscher setzen deshalb auf Rapid Prototyping: Ein Laserstrahl schmilzt das
Metallpulver nur dort auf, wo später die Stege der Poren sein sollen.
Übriggebliebenes Pulver wird anschließend entfernt. Schicht um Schicht entsteht
ein offen-poriges Material, das an jeder Stelle genau die gewünschte Dichte
aufweist. »Wir können Bauteile herstellen, die höchste Anforderungen bei
geringstem Gewicht erfüllen«, freut sich Andreas Burblies.
Dafür interessieren sich zum Beispiel die Hersteller von Knochenimplantaten.
Diese werden heute zwar auf den Millimeter passgenau gefertigt, doch sie
bestehen aus massivem Titan. Implantate könnten den Belastungen noch länger
standhalten, wenn sie auch die innere Struktur ihres natürlichen Vorbilds
nachahmen – das hoffen Hersteller, Ärzte und Patienten.
http://www.pm-magazin.de/de/wissensnews/wn_id1521.htm
24.9.2006