Künstliche Fette - Transfette - Krankmacher
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Ernährung: Künstliche Krankmacher -
In welchen Produkten die Gefahr lauert
Manche Backwaren, Pommes und Hamburger enthalten künstliche Fette, die Menschen krank machen
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![]() „Alarmierend schlechte Werte“ Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre |
![]() Reaktionen: Aus-stieg wird überlegt Wie die Transfett-Sünder auf die Studie reagierten |
In Dänemark wurden diese so genannten Transfette deshalb per Gesetz verboten. profil zeigt, in welchen Produkten die Gefahr lauert.
Die Harvard University in Boston
gilt weltweit als erste Instanz in Fragen der Ernährung. Unter der Leitung von
Walter Willett werden an der renommierten Forschungsstätte die Daten von drei
der aufwändigsten Langzeitstudien ausgewertet und interpretiert, die in der
Medizin je durchgeführt wurden. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnten die
zentralen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Diabetes aufgeklärt werden. Die
Daten lieferten grundlegende Erkenntnisse über die Rolle der Vitamine und gaben
Entwarnung bei der Frage, ob Fett generell das Krebsrisiko erhöhe.
Befragt allerdings, welches der mit Abstand
schädlichste Faktor in der Ernährung der Bevölkerung ist, kommt Willett auf ein
ganz spezielles Thema: Transfette, künstliche Fettsäuren, die bei der
industriellen Härtung von Pflanzenölen entstehen. Die enorme Zunahme an
Herzkrankheiten im Lauf des 20. Jahrhunderts könnte laut Willett darin ebenso
eine der Hauptursachen haben wie die Epidemie bei Diabetes. „Wahrscheinlich sind
Millionen von Menschen vorzeitig gestorben, weil unsere Nahrung zu viele
Transfette enthält.“
Vorteile bringen diese Fette nur für die Industrie.
Gehärtete Öle sind billig, werden nicht ranzig und müssen in den Frittierbuden
seltener getauscht werden. Sie färben die Pommes goldgelb, verleihen dem
pflanzlichen Schlagobers Festigkeit und verhelfen Croissants zu ihrer
knusprigen, luftigen Konsistenz. „Im menschlichen Stoffwechsel“, sagt Willett,
„verhalten sie sich allerdings wie pures Gift.“
Knalleffekt. Mit
dieser Einschätzung steht Willett nicht allein. Unzählige Arbeiten befassten
sich in den vergangenen Jahren mit allen nur möglichen gesundheitlichen Aspekten
von Trans-Fettsäuren. Beispielsweise mit ihrer Rolle bei der Entstehung von
Diabetes, Krebs, Allergien oder mit störenden Einflüssen auf die frühkindliche
Entwicklung im Mutterleib. Und die große Mehrzahl der Studien kam zu
alarmierenden Resultaten – vor allem im Tierversuch, wo ja die Simulierung einer
Fehlernährung wesentlich leichter durchführbar ist als beim Menschen. Lotta
Granholm, Professorin für Neurowissenschaft an der Charleston Southern
University, South Carolina, fütterte eine Gruppe von Ratten mit einer erhöhten
Dosis Trans-Fettsäuren, eine andere Gruppe erhielt dieselbe Menge an Fett –
allerdings aus ungehärtetem Sojaöl. „Ich hätte nie gedacht, dass ein so geringer
Eingriff in die Diät einen derartigen Effekt hat“, berichtet Granholm im
Gespräch mit profil.
In einem Labyrinth sollten die Ratten zu Testzwecken
eine Schale mit Wasser suchen. „Die Transfett-Gruppe hatte deutliche
Lernschwierigkeiten und brauchte fünfmal so lange, bis sie zum Trinken fand.“ Es
stellte sich heraus, dass die Tiere an einer systemischen Entzündung im ganzen
Körper litten, die auch die Gehirnzellen erfasste. „Natürlich“, sagt Granholm,
„kann man das jetzt nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Wir wissen
allerdings, dass Entzündungen bei Atherosklerose und Diabetes bis hin zu
Alzheimer eine Schlüsselrolle spielen.“
Wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist der
Zusammenhang beim Menschen bisher allerdings nur bei den Herz- und
Gefäßkrankheiten. Der Humanbiologe Ronald Mensink von der Universität Maastricht
formulierte die Kernaussage in einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit so:
„Die Eliminierung von Trans-Fettsäuren aus der Nahrung und ihr Ersatz durch
nicht gehärtete Pflanzenöle ist die effektivste Einzelmaßnahme, die man treffen
kann, um die Blutfettwerte zu verbessern und das Risiko von Herzkrankheiten zu
minimieren.“
Transfett-Gesetz.
Für Steen Stender, Professor für präventive Kardiologie und Leiter der Dänischen
Ernährungskommission, war die Beweislast längst erdrückend. Er empfahl der
damaligen Ernährungsministerin Mariann Fischer Boel, endlich Taten zu setzen.
Seit dem Vorjahr ist in Dänemark der Verkauf von Nahrungsmitteln mit mehr als
zwei Prozent industriell hergestellten Trans-Fettsäuren gesetzlich verboten. Für
Zuwiderhandelnde, „die das Gesetz wissentlich brechen und damit die Konsumenten
gesundheitlich gefährden“, ist eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren
vorgesehen.
„Der Aufschrei der Nahrungsmittelindustrie war
enorm“, erzählt Stender. „Sie drohten mit Betriebsschließungen, Teuerungen und
Boykott. Doch nun, nach einem Jahr, merken wir gar nichts davon. Es war für alle
Betriebe möglich umzustellen. Sogar die Fast-Food-Ketten verwenden nun in
Dänemark gesünderes Frittieröl als überall sonst auf der Welt.“
Mit ihrem Antrag, diese Regelung auch in die EU zu
übernehmen, blitzten die Dänen in Brüssel allerdings ab. „Hier konnte sich die
Industrielobby leider durchsetzen“, bedauert Stender, der darauf hofft, dass die
Berufung von Ministerin Fischer Boel zur neuen EU-Agrarkommissarin einen
Umdenkprozess einleitet.
Wissenslücken. In
einem im Juli 2004 veröffentlichten Report der Europäischen Lebensmittelbehörde
EFSA wird zwar zugestanden, dass Trans-Fettsäuren das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, überall sonst seien die Daten jedoch
widersprüchlich. „Auch die Auswirkungen auf das fötale und frühkindliche
Wachstum und die Entwicklung müssen noch weiter erforscht werden.“
Steen Stender macht diese Argumentation fassungslos:
„Warum sollte etwas weiterhin in der Nahrung enthalten sein dürfen, von dem kein
einziger positiver Aspekt bekannt ist, dafür aber eine Unzahl negativer – auch
wenn manche davon noch nicht bis ins Detail erwiesen sind. Gerade weil
Trans-Fettsäuren ein Industrieprodukt sind, wäre es kinderleicht, sie aus dem
Herstellungsprozess zu entfernen.“
Transfette gibt es seit Erfindung der Margarine vor
mehr als 100 Jahren. Zuvor war streichbares Fett nur in Form von Butter oder
Schmalz bekannt. Die Fettversorgung war stets eine wesentliche Grundlage der
menschlichen Ernährung. Die besonders energiereichen Fette machen schwere
körperliche Arbeit erst möglich. Diese ausreichend zu bekommen war in der
Mangelgesellschaft des 19. Jahrhunderts gar nicht so leicht. Besonders bei
militärischen Aktionen, wo es galt, eine große Anzahl von Soldaten möglichst
billig bei Kräften zu halten. Um die Fettversorgung der französischen Armee zu
sichern, erteilte Kaiser Louis Napoleon III. den Auftrag, ein geeignetes
Speisefett zu entwickeln. Im Jahr 1869 verarbeitete der Wissenschafter Hippolyte
Mége-Mouriés eine Mischung aus Rindertalg und Magermilch zu einer Substanz, die
streichfähig war und perlenartig schimmerte. Der Name der neuen Substanz stammt
vom griechischen Wort margaron, die Perle.
Mangelware. Zwar war
diese Margarine nur noch halb so teuer wie Butter, allerdings benötigte man zur
Herstellung nach wie vor tierisches Fett. Und dies war im Gegensatz zu den
Pflanzenölen Mangelware. Flüssiges Öl konnte man aber schwerlich aufs Brot
streichen. 1902 kam dem deutschen Chemiker Wilhelm Norman die Idee, die
ungesättigten Fettsäuren im Öl über eine chemische Reaktion zu härten und in
gesättigte zu verwandeln (siehe Grafik Seite 91). Damit steigt der Schmelzpunkt,
und die künstlichen Fette werden bei Zimmertemperatur streichfähig, so wie
Butter oder Schmalz, die ihre Konsistenz ebenfalls gesättigten Fettsäuren
verdanken. Das besonders Angenehme an dieser Erfindung ist die Möglichkeit, je
nach gewünschtem Endergebnis mit der Härtung vorzeitig aufzuhören.
Bei der teilweisen Härtung bleiben noch große Mengen
von ungesättigten Fettsäuren im Endprodukt zurück. Doch sehen diese nun nicht
mehr so aus wie die Ausgangsstoffe. Bei vielen Fettsäure-Molekülen ist nämlich
das Wasserstoff-Atom auf die andere Seite – die Trans-Seite – des
Kohlenstoff-Atoms gesprungen. Dieser unscheinbare Vorgang bedeutet allerdings
eine enorme Veränderung der chemischen Eigenschaften. Die Ölsäure, ein
Hauptbestandteil vieler Ölsaaten wie Oliven oder Raps, verwandelt sich dann
beispielsweise in die Elaidinsäure, eine – wie man heute weiß – besonders
ungünstige Trans-Variante. Weil die Säure nun nicht mehr geknickt ist, sondern
lang gestreckt, sind diese Fette molekular viel dichter gepackt. Sie neigen
weniger zur Oxidation, werden nicht so schnell ranzig und sind höher erhitzbar.
Die Industrie stürzte sich mit Feuereifer auf diese Produktionstechnik. Bald
wurden Trans-Fettsäuren überall verwendet, wo gebrutzelt, geschmiert oder
frittiert wird. Noch bis in die achtziger Jahre enthielten Margarinen
Transfett-Anteile von bis zu 30 Prozent.
Fehlschluss. „Das
hielt man ursprünglich sogar für einen gesundheitlichen Vorteil“, erzählt
Karl-Heinz Wagner, Ernährungswissenschafter an der Universität Wien. „Denn
immerhin waren Trans-Fettsäuren ja ungesättigt und galten damit als überlegen
gegenüber den tierischen Fetten.“ Die Fettindustrie machte sich diesen
Irrglauben sofort in der Werbung zunutze. Viele in Wahrheit Transfett-verseuchte
Produkte warben am Etikett mit attraktiven Blumenmotiven und dem Hinweis, sie
seien besonders gut fürs Herz.
Es war wiederum Harvard-Mastermind Walter Willett,
der dieses Vorurteil als gefährlichen Irrtum entlarvte. In seinen
Langzeitstudien bemerkte er nämlich einen immer deutlicher hervortretenden
Zusammenhang zwischen Margarinekonsum und schweren Herzkrankheiten. Im Jahr 1994
veröffentlichte er einen aufsehenerregenden Bericht, in dem er errechnete, dass
in den USA jährlich etwa 30.000 Menschen allein aufgrund des hohen
Transfett-Gehalts in Margarine vorzeitig den
Herztod sterben.
Vor allem in Europa fiel diese Nachricht auf
fruchtbaren Boden. Während in den USA viele Produzenten weitermachten wie
bisher, stellten viele europäische Konzerne ihre Rezepturen um und verbesserten
die technischen Abläufe in Produktionsanlagen. „Bei uns sind es nun bald zehn
Jahre, dass wir vollständig ohne teilgehärtete Fette auskommen“, erzählt Konrad
Schröder von Unilever Austria. Die künstlichen Trans-Fettsäuren wurden durch
eine Mischung aus flüssigen Ölen mit festen natürlichen Fetten aus Palm-,
Palmkern- und Kokosfett ersetzt. Schwieriger fiel hingegen die Umstellung bei
der so genannten Ziehmargarine, wie sie von Bäckereien verwendet wird, um die
typische Konsistenz von Plunder und Blätterteiggebäck zu erzielen.
Kompliziert wird die ohnehin für Laien nicht leicht
zu durchblickende Transfett-Problematik noch durch die Tatsache, dass auch im
Fett von Kühen und Schafen Trans-Fettsäuren enthalten sind. Sie entstehen im
Wiederkäuer-Magen durch den Einfluss von Bakterien und bilden einen Anteil von
bis zu fünf Prozent am Gesamtfett. Das Argument „Dann müsste man auch Milch oder
Butter verbieten“ taucht reflexartig in jeder Stellungnahme der
Industriebetriebe auf, wenn eine Reduktion oder ein Verbot der Transfette
diskutiert wird. Und auch im Bericht der EFSA findet sich die Feststellung, dass
es „gegenwärtig keine Analysemethoden gibt, die zwischen den von Natur aus in
Lebensmitteln vorkommenden Trans-Fettsäuren und den bei der Verarbeitung von
Fetten, Ölen oder Lebensmitteln entstehenden Trans-Fettsäuren unterscheiden“.
Irrmeinung. Der
Ernährungswissenschafter Gerhard
Jahreis, einer der profiliertesten Fettexperten Deutschlands, kann sich über
diese Aussage nur wundern. „Das gilt schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wir
können heute anhand des Trans-Fettsäure-Musters diese Unterscheidung ganz
einfach treffen.“ Milchprodukte enthalten überwiegend die so genannte
Vaccensäure (von lat. vacca, die Kuh), eine der wenigen unter den mittlerweile
mehr als 50 bekannten Trans-Fettsäuren, von der positive Wirkungen bekannt sind.
„Sie wird im Stoffwechsel zu einem beträchtlichen Teil in konjugierte Linolsäure
umgewandelt, von der wir wiederum wissen, dass sie entzündungshemmend wirkt, das
Immunsystem stärkt und im Tierversuch sogar vor Krebs schützt“, erklärt Jahreis.
„Je besser eine Kuh gehalten wird, umso höher ist der Gehalt an Vaccensäure.
Wenn Sie eine Kuh hingegen nicht auf die Wiese lassen und wie ein Schwein
füttern, so gibt sie schlechte Milch, und der Gehalt an Vaccensäure sinkt rapide
ab.“
Bei der industriellen Härtung fällt zwar auch ein
geringer Anteil an Vaccensäure an, aber die ungünstigen Transfette überwiegen
(siehe Grafik Seite 91). „Eine klare Trennung zwischen natürlichen und
künstlichen Trans-Fettsäuren ist demnach aus medizinischer Sicht absolut
sinnvoll“, sagt Gerhard Jahreis. „Das eine ist überwiegend gesund, das andere
hat in Lebensmitteln nichts verloren.“ Der Professor an der Universität Jena
findet eine gesetzliche Regelung wie in Dänemark, die sich ausdrücklich auf die
industriellen Transfette bezieht, „zwar hart, aber aufgrund der Daten, die uns
vorliegen, durchaus konsequent und richtig“. Besser noch als die Regelung der
US-Behörden, die ab 2006 eine zwingende Deklarierung des Transfett-Gehalts auf
den Etiketten der Produkte vorschreiben.
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat steht einer
eigenen Gesetzesinitiative hingegen eher ablehnend gegenüber: „Laut EFSA ist das
Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung gering, einseitige Maßnahmen von
einzelnen Mitgliedsstaaten daher nicht erforderlich.“ Sie habe jedoch den
Auftrag erteilt, das konkrete Gefährdungspotenzial bei Kindern und Jugendlichen
festzustellen.
Petra Lehner, Ernährungsexpertin der Arbeiterkammer
Wien, wollte nicht so lange warten und gab bereits Ende des Vorjahres einen
Produkttest in Auftrag, der den derzeitigen tatsächlichen Gehalt an
Trans-Fettsäuren ermitteln sollte. „Es reden ansonsten alle über Dinge, die
völlig im Dunkeln liegen. In Österreich hat ja schon fast zehn Jahre lang
niemand mehr gemessen.“
Bauchweh. Karl-Heinz
Wagner, von dem auch die letzte Untersuchung stammt, ging also an eine
Neuauflage. Nun liegen die Testergebnisse von insgesamt mehr als 80
verschiedenen Lebensmitteln profil exklusiv vor (siehe Produkttest). Mehr als
ein Viertel der getesteten Produkte lag – zum Teil deutlich – über dem dänischen
Grenzwert von zwei Prozent und wäre damit nach den geltenden Bestimmungen in
Dänemark verboten. „Am meisten Bauchweh“, sagt Lehner, „machen mir die
schlechten Ergebnisse bei den Backwaren. Manche Croissants liegen sogar beim
Fünffachen des dänischen Grenzwertes.“
Wagner gibt vor allem zu bedenken, dass viele der
Produkte mit den besonders schlechten Werten zu den bevorzugten Speisen der
Kinder und Jugendlichen gehören. „Wer zu den falschen Nahrungsmitteln greift,
kann pro Tag auf fünf und mehr Gramm pure Trans-Fettsäuren kommen“, sagt Wagner.
„Und den Experten möchte ich sehen, der das noch für harmlos
erklärt.“
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![]() „Alarmierend schlechte Werte“ Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre |
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„Alarmierend schlechte Werte“
Der Wiener Ernährungswissenschafter Karl-Heinz Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre und die Gewissheit, dass es sich bei der Warnung vor den Transfetten um keine wissenschaftliche Eintagsfliege handelt.
profil:
Gerade hat sich Fett in der allgemeinen Wahrnehmung ein wenig vom schlechten
Image erholt. Versetzen Sie ihm nun mit Ihrer Untersuchung den Todesstoß?
Wagner: Keineswegs. Wir müssen weg von der
generellen Fettverteufelung hin zur bewussten Auswahl der guten Fette. Wenn die
Qualität stimmt, ist Fett gesund. Mehrfach ungesättigte Öle wie Leinöl oder
Maiskeimöl haben einen tollen Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Olivenöl kann
vor Brustkrebs und Herzkrankheiten schützen. Bei industriell hergestellten
Trans-Fettsäuren sind hingegen keinerlei positive Wirkungen bekannt.
profil: Wie beurteilen Sie Ihre Ergebnisse?
Wagner: Wir haben vor acht Jahren schon einmal so
einen Test auf Trans-Fettsäuren durchgeführt. Seither hat sich einiges zum
Besseren verändert. Vor allem bei den Snacks. Wir waren wirklich positiv
überrascht, dass wir in Chips, Popcorn oder bei Keksen kaum noch Transfette
fanden. In einigen Bereichen hat sich die Situation aber wenig gebessert oder
sogar verschlechtert. Beispielsweise bei den Schoko-Donuts und einigen anderen
Fast-Food-Produkten.
profil: Haben Sie die niedrigen Werte bei Margarine
erwartet?
Wagner: Ja, wir wussten, dass die Hersteller hier
große Anstrengungen unternommen haben. Nur leider betrifft das nur die
Haushaltsmargarinen. In vielen Backmargarinen scheinen noch hohe Mengen
enthalten zu sein, was die alarmierend schlechten Werte bei Croissants,
Kipferln und Golatschen zeigen.
profil: Viele Menschen sind bereits skeptisch, wenn
immer wieder vor gefährlichen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln gewarnt wird, und
in einem Jahr spricht niemand mehr davon.
Wagner: Manchmal habe ich auch diesen Eindruck.
Beim Thema Acrylamid hat man beispielsweise weit übers Ziel geschossen. Bei den
Trans-Fettsäuren liegt der Fall jedoch anders. Hier ist die Problematik schon
seit zumindest Anfang der neunziger Jahre bekannt. Und es gibt unzählige
Studien, die beweisen, dass diese Fettsäuren viele ungünstige Auswirkungen auf
den Stoffwechsel des Menschen haben.
profil: Warum werden sie dann nach wie vor
verwendet?
Wagner: Je weniger Doppelbindungen eine Fettsäure
hat, desto länger kann ich sie erhitzen. Sie oxidiert weniger leicht und wird
nicht so schnell ranzig. Die Trans-Fettsäuren verhalten sich physiologisch wie
gesättigte Fette. Und das ist natürlich schön für die Produktion. Sie haben ein
pflanzliches Produkt, das alle produktionstechnischen Vorteile der tierischen
Fette hat. Nur leider ist eben hier das pflanzliche Produkt durch die Härtung
sogar gesundheitsschädlicher als das tierische.
profil: Was machen Transfette denn konkret?
Wagner: So wie die gesättigten tierischen Fette
erhöhen sie das so genannte böse LDL-Cholesterin. Darüber hinaus senken sie aber
auch noch das gute HDL-Cholesterin. Zudem bauen sich Trans-Fettsäuren in die
Zellmembranen ein. Ihre Oberfläche wird dadurch spröde, der Nährstofftransport
funktioniert schlechter. Das ist besonders problematisch bei Jugendlichen im
Wachstum und vor allem für die Entwicklung des Fötus. Studien zeigten, dass
Mütter, die hohe Mengen an Trans-Fettsäuren
essen, ein deutlich höheres Risiko haben, eine Frühgeburt oder ein Baby mit
geringem Geburtsgewicht zu bekommen.
profil: Ist es für die Industrie nur eine
Geldfrage, warum sie nicht umstellt?
Wagner: Großteils ja. Man muss aufwändiger
frittieren, und hochwertiges Öl ist etwas teurer. Viele Firmen sind ja
dankenswerterweise schon auf gesunde Öle und Fette umgestiegen. Andere brauchen
aber scheinbar einen kräftigen Anstoß von außen.
profil: Ein Verbot wie in Dänemark?
Wagner: Ja, durchaus. Die dänische Regelung geht
sicher in die richtige Richtung und wäre langfristig ein Ziel für ganz Europa.
Imbissketten: Fast Food im Visier
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Neue belastende Studien und mögliche Werbebeschränkungen machen McDonald’s & Co kräftig zu schaffen.
Das Jahr 2005 begann nicht gut
für die Branche. Anfang Jänner publizierte das renommierte Medizinjournal „Lancet“
eine Studie, für die mehr als 3000 anfangs junge, gesunde Testpersonen
15 Jahre lang beobachtet worden waren. Am Ende stellte sich heraus, dass jene,
die mindestens zweimal wöchentlich Fast Food konsumiert hatten, im Schnitt um
fünf Kilogramm schwerer waren als jene, die den Hamburger-Tempeln eher fern
geblieben waren. Andere Ernährung oder Sport spielte dabei keine Rolle.
Wichtigster Risikofaktor war alleine der Fast-Food-Konsum. Und es blieb nicht
nur beim Übergewicht: Diese Gruppe zeigte auch schlechtere Blutfettwerte und
höhere Anzeichen von Insulinresistenz, einem Hochrisikofaktor für Diabetes.
Die Studie schließt damit nahtlos an andere Belege an, die
zeigen, dass Fast Food speziell für Jugendliche eine regelrechte Gewichtsfalle
darstellt. Ein doppelter Burger mit großem Cola und Pommes liefert mehr als 1200
Kilokalorien. Das ist der halbe Tagesbedarf eines 14-Jährigen. Die Kinder
kompensieren diese Energiebombe aber nicht dadurch, dass sie den restlichen Tag
über weniger essen. Der Hunger kehrt rasch zurück, und damit ist jeder
Fast-Food-Tag ein Masttag.
Speziell in Kombination mit mangelnder Bewegung. Die
Zeiten, wo Jugendliche nach dem Mittagessen per Fahrrad zum Kicken fuhren,
gehören der Vergangenheit an. Eine Studie aus Deutschland ergab, dass
Jugendliche pro Woche 18,6 Stunden vor dem Fernseher und dazu noch 9,4 Stunden
vor dem Computer sitzen. Buben sind für die visuelle Berieselung mit insgesamt
33 Stunden noch wesentlich anfälliger. Für Bewegung bleibt da natürlich nicht
mehr viel Zeit. Der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz,
Markos Kyprianou, verkündete, er
werde „an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Nahrungsmittel“ verbieten,
wenn sich die Branche keine
Selbstbeschränkung auferlege.
Der amerikanische Dokumentarfilmer Morgan Spurlock drehte
einen Film über sich selbst: Binnen vier Wochen brachte er es mit seiner
McDonald’s-Diät auf einen Speckpolster von zusätzlichen zwölf Kilogramm. Seine
Blut- und Leberwerte verschlechterten sich in dieser kurzen Zeit so dramatisch,
dass sein Arzt ihm riet, seinen „Supersize Mac“-Selbstversuch schleunigst
abzubrechen.
Wie eine zynische Bestätigung dieser Befürchtungen klingen
da die jüngsten tragischen Todesfälle an der Spitze der Fast-Food-Kette. Im
April 2004 starb Konzernchef Jim Cantalupo im Alter von 60 Jahren während einer
McDonald’s-Betriebsfeier überraschend an einem Herzanfall. Sein Nachfolger wurde
der charismatische Australier Charlie Bell, der seine Karriere als Servicemann
bereits mit 15 Jahren bei McDonald’s begonnen hatte. Er erzählte gerne, dass er
über all die Jahre beinahe täglich „am Arbeitsplatz“ gegessen habe. Nur einen
Monat nach der Übernahme seines Postens als Herr über mehr als 30.000
Restaurants in 118 Ländern wurde bei Bell Darmkrebs diagnostiziert. Mitte Januar
ist er nun im Alter von 44 Jahren daran gestorben.
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Firmen-Reaktionen: Ausstieg wird überlegt
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Wie die Transfett-Sünder auf die Ergebnisse der Wiener Transfett-Studie reagierten.
McDonald’s Österreich antwortete
auf die Übermittlung der Testwerte mit der Feststellung, „dass McDonald’s mit
seinen Lieferanten bereits seit 1990 daran arbeitet, den Prozentsatz von
TransFettsäuren im pflanzlichen Frittierfett bedeutend zu reduzieren“. Neu
entwickelte Mischungen aus Sonnenblumen-, Palm- und Rapsöl würden in den
Restaurants laufend getestet, berichtet
die Firmensprecherin Carola Ullrich-Purtscher. „Da das Angebot an diesen
Ölsaaten jedoch beschränkt und die Versorgung oft unzulänglich ist, ermutigt
McDonald’s immer wieder seine Lieferanten, den Anbau dieser Saaten zu
unterstützen.“
Die Fast-Food-Kette Burger King sei laut Stellungnahme der
Londoner Konzernzentrale derzeit dabei, „bei allen Kernprodukten auf die
ausschließliche Verwendung von Transfett-freien Ölen“ umzustellen. Die Lieferung
dieser Öle werde im März 2005 beginnen, wobei „Europa als internationaler Test
für die Umstellung in anderen Weltregionen fungieren“ werde. Alle
Burger-King-Lieferanten seien verpflichtet worden, bei dieser
Anti-Transfett-Politik mitzuziehen. Und das, so heißt es
in dem Schreiben, „obwohl der branchenweit empfohlene Richtwert derzeit noch bei
einem Transfett-Gehalt von sieben Prozent liegt“.
Anker-Sprecherin Martina Wollersdorfer teilt im Namen des
Großbäckers mit, „dass wir als Beitrag zu dieser Thematik derzeit nur die
Möglichkeit sehen, auf Anbieter von Margarine mit niedrigerem
Trans-Fettsäure-Gehalt auszuweichen, sofern solche am Markt zu entsprechenden
Bedingungen verfügbar sind“. Am vernünftigsten wären allgemein definierte
Grenzwerte, an die sich die Fettindustrie halten muss.
Spar-Sprecherin Nicole Berkmann lässt wissen, man halte
sich an die derzeit geltenden Gesetze. „Das Thema beginnt gerade erst in
Österreich diskutiert
zu werden. Wir sind dabei, uns kundig zu machen, damit wir eventuelle Schritte
einleiten können.“
Hofer verweist auf den Bericht der Europäischen
Lebensmittelbehörde, der derzeit keinen Handlungsbedarf sieht.
Billa betont, dass die Produkte in ihren
Feinkostabteilungen von verschiedenen Zulieferfirmen stammen.